Haus Washington
Das Haus Washington an der Rosenbergstrasse 20-22 diente der Familie Iklé als Geschäftssitz und symbolisiert ihre international ausgerichtete Geschäftstätigkeit. Die Familie Iklé gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Textilfamilien der Region.
Geschichte: Leopold Iklé (1838-1922), Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Hamburg, liess sich nach vorherigen Handelskontakten im Jahr 1861 in St.Gallen nieder. Hier engagierte er sich in führenden Kaufmanns- und Industriegremien. Als Geschäftsmann und Kosmopolit, Ästhet und Fabrikant widmete er seine Leidenschaft den Stickereien und der Entwicklung neuer Fertigungstechniken. Zusammen mit seinem Bruder Adolf (1852-1923) leitete er die Iklé-Frères AG, eine der führenden Firmen in der Stickereifabrikation und im Export.1923 zog die renommierte Textilfirma Stoffel AG ins Haus Washington ein und kaufte das Gebäude im gleichen Jahr. Ab Mitte 1984 gehörte das Haus zwei Zürcher Geschäftsleuten, bevor es im Jahr 1986 an die Helvetia Schweizerische Feuerversicherungsgesellschaft überging. Die Feinheiten der Gewebe erforderten nicht nur kaufmännisches Gespür und Wissen, sondern auch Schutzmassnahmen, um die Risiken der immer grösser werdenden Warenmengen auf ein unternehmerisch tragbares Mass zu reduzieren.
Architektur: Der neubarocke Wiener Stadtpalast Washington besteht aus weissem Kalkstein und erstreckt sich über vier Stockwerke. Die rechtwinkligen Seitenflügel umgeben einen Innenhof. Das Hauptgeschoss ist aus Granit, während die oberen drei Geschosse mit weissem Kalkstein verkleidet und reich verziert sind. Das zentrale Eingangstor führt in einen Hof.
Heutige Nutzung: Nach einer umfassenden Renovation ist die Universität St.Gallen (HSG) ins Gebäude eingezogen. Das Haus Washington bietet auf rund 6’000 Quadratmetern Platz für Schulungsräume und Büros.